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An die turbulenten Tage als Battle-DJ der späten Achtziger Jahren (mit gewonnen DMC-Competitions
in Österreich und Teilnahmen an der DJ-Weltmeisterschaft) erinnert heute allenfalls noch der
inhärente Superlativismus seines selbst gewählten Arbeits-Akronyms. Knapp zwanzig Jahre nach
seinem ersten Booking umweht den Exil-Wiener Stefan Biedermann, der seit knapp einer Dekade die
Elbmetropole Hamburg seine Heimat nennt, die vornehme Nonchalance eines Elder Statesman des
HipHop. Beweisen muss der 39-jährige Turntablist, dessen Pseudonym gleichsam lokalpatriotische
Heimatverbundenheit und Genre-typisch überhöhtes Berufs-Doppel-Gütesiegel vereint (DSL = DJ
SuperLeiwand), freilich niemanden mehr etwas. Von seiner Leiwand-ness (sprich: Großartigkeit)
konnten sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht nur unzählige Clubber und Festival-
Besucher zwischen Wien-Erdberg, Moskau und Peking überzeugen, die den Mann bei der Ausübung
seiner ursprünglichen Profession an den Plattenspielern begutachten konnten, sondern auch
Abertausende von HipHop-Aficionados weltweit, in deren Regalen, Plattenkoffern oder Festplatten
seine Produktionen und Remixe nachweislich Unverzichtbarkeits-Status inne haben. Ganz zu
schweigen von den Radiohörern in Österreich und Süddeutschland, die durch seine diversen DJ-
Shows (u.a. im Programm von FM4) erstmals mit dem HipHop-Virus in Berührung kamen.

Die gelebte Unaufgeregtheit des großgewachsenen Österreichers, der heutzutage grundsätzlich auf
aufmerksamkeitsstarke Mix-Tricks und flashy Scratch-Akrobatik verzichtet, sondern das Augenmerk
ausschließlich auf die euphorisierende Funktionalität und Qualität seiner Track-Auswahl legt,
manifestiert sich in seinem (quantitativ) betont reduzierten Output. Gerade einmal ein (!) Album mit
dem Titel „#1“ findet sich neben einigen EPs und Remixen (u.a. für Neneh Cherry, Only Child,
Jazzanova, Kool Keith, Beginner) in der Discographie des Wahl-Hanseaten, der beim Kruder &
Dorfmeister-Label G-Stone Recordings unter Vertrag steht.

Bereist er nicht gerade mit allerlei Vinyl im Gepäck die USA, Europa, Russland oder Asien oder
schraubt an eigenen Produktionen bzw. Remixen für andere Künstler, widmet sich DJ DSL dieser
Tage vorzugsweise der Gestaltung von Flyern, Plakaten und T-Shirts. Längst haben seine
Trademark-haften Designs ihren Platz in der Wertschöpfungskette zahlreicher Clubs, Labels und
Markenartikler eingenommen. Vor allem seine Arbeiten zum Thema Fußball zählen weithin zu den
populärsten Posten in seinem Oeuvre – wie z.B. aktuell der Spielplan für
die Fußballeuropameisterschaft in diesem Jahr, den der passionierte Stadion-Regular entwarf.

Ende 2008 jährt sich DJ DSLs Einstieg ins DJ-Business zum zwanzigsten Mal. Nostalgische
Rückschauen oder gar verklärte Wehmut sind anlässlich des Auflege-Jubiläums allerdings nicht
vorgesehen - für Derartiges fehlt ihm ohnehin die Zeit. Vielmehr treibt der Enddreißiger, der von
Zeitzeugen gerne als „erster HipHop-DJ Österreichs“ bezeichnet wird und der seine endlose
Residency in den SPEX-Jahres-Bestenlisten 1995 mit dem Titel „Bester DJ“ krönen konnte, die
Produktion seines zweiten Albums voran, an dem er bereits seit einigen Monaten arbeitet.
Gemessen an dem Status des Wieners als europäischer Genre-Pionier und unbestechliche Instanz
mit beispiellos exzellenter Veröffentlichungs-Bilanz (als Producer) und unbezahlbarem Selektions-
Know-How (als DJ) erwarten Fans und Fachwelt nicht weniger als DAS überragende Standardwerk in
Sachen Erwachsenen-HipHop - eine überschwänglich-ambitioniert Zielvorgabe, zu der sich der
DJ-Produzent aufgrund des ihm eigenen Understatements selbst allerdings nie hinreißen ließe…

Text: Juergen Dobelmann


 


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